Über AirBnB Entdeckungen und Tripadvisor habe ich erfahren, dass es möglich ist in Nairobi mit einheimischen Guides die Kibera Slums zu besuchen.

Der Name Kibera leitet sich ab von kibra, was so viel wie Wald oder Dschungel bedeutet. Dies weil früher – dort wo heute die Slums sind – alles Wald war. Heutzutage ist angrenzend zu den Slums nach wie vor Wald, doch jetzt wird dieser durch einen hohen Drahtzaun geschützt vor illegaler Holzgewinnung.
Kibera ist einer der grössten Slums in Afrika und sogar weltweit. Die Anzahl Bewohner:innen ist umstritten, Schätzungen reichen von 170’000 bis zu einer Million Einwohnern. Mehr Facts über Kibera gibt’s hier.
Spaziergang durch einen Teil von Kibera
So fuhren wir gestern wieder mit Victor (Taxist vom Flughafen) um 10.15 Uhr von unserer Unterkunft los Richtung Innenstadt, wo wir im 11 Uhr im Yaya Shopping-Center unseren Guide, Vincent, trafen. Mit ihm zusammen nahmen wir von dort aus einen öffentlichen Kleinbus ins Herzen von Kibera.
Kleiner Gedanken-Sprung
Diese Busfahrt erinnerte mich sehr an meine Zeit in Kirgistan, dort war ich auch oft mit diesen vollgestopften Kleinbussen unterwegs. Die 5-10 minütige Busfahrt nach Kibera kostete 30 Schilling pro Person – im Vergleich dazu 2500 Schilling für die private 45-minütige Taxifahrt. Ich hätte diese auch günstiger über Bolt/Uber bestellen können (800 Schilling), diese Angebote sind hier sehr verbreitet. Doch einerseits sind mir diese Dienste wegen den schlechten Arbeitsbedingungen unsympathisch und andererseits war es mir diese teurere Variante wert, weil Nio und ich Victor bereits kannten. Er begleitete uns zum Beispiel auch extra ins Shoppingcenter, um sicherzustellen, dass unser Guide tatsächlich da ist und uns in Empfang nimmt.
Los geht die Tour
In Kibera angekommen, hat uns Laureen auch noch begrüsst. Da Vincent etwas besorgt war um Nio, hat er sie extra noch als zweite Begleitperson aufgeboten, damit sie sich um Nio kümmern kann während der Tour. Mir hat er meinen Rucksack sofort abgenommen, damit ich die Tour ganz unbeschwert begehen konnte. Jedenfalls haben uns die beiden wunderbsr umsorgt und uns mit Informationen überhäuft – wobei ich mir wohl nur einen Bruchteil davon behalten konnte, weil neben den auditiven Informationen die visuellen Eindrücke enorm waren.








Als ersten Stopp der Tour besuchten wir eine kleine Werkstatt, wo Männer aus Kuh- und Kamelknochen Schmuck und Accessoires herstellen. Zuerst hatte ich dem Impuls direkt wieder umzukehren – es war laut (Schleifmaschinen und Radio), staubig und stinkte nach Leim. Doch die Arbeiter haben mir mit viel Stolz den Produktionsweg erklärt – auch hier wieder viele Infos. Etwas von zwei grossen Schlachtereien und dem 3-stündigen Kochen der Knochen ist mir geblieben. Weiter haben sie mich gebeten mir zu überlegen, ob ich in der Schweiz einen Absatzmarkt für ihre Produkte schaffen könnte. Ein Finne kaufe ebenfalls regelmässig Produkte von ihnen und verkauft diese in Finnland weiter. Ich habe dafür aktuell keine Ambitionen- wer hat, darf sich gerne melden. 😇 Ich habe ein paar Produkte gekauft und ihr könnt euch gerne von der Qualität überzeugen lassen:


Weiter gingen wir durch Strassen und Gassen – überall gab es Shops, kleine Salons oder Werkstätten auf kleinstem Raum. Vincent und Laureen zeigten mir auch die öffentlichen Waschanlagen, wo die Leute aus der Umgebung aufs WC können, kalt oder warm duschen können – alles gegen Bezahlung. Denn in den Hütten gibt es kein fliessend Wasser. Damit sie in den Hütten kochen können, gibt es Wasserstellen, wo sie Wasser in Kanistern kaufen können. Zum Kochen brauchen die meisten Kohle, weil Gas teurer ist. Da das Kochen etwas umständlich und gefährlich ist, gibt es auch einige, die an einfachen Essensständen zubereitetes Essen kaufen. So einen Stand betreibt Vincent’s Mutter — und als Teil der Tour durften wir ihr Zuhause, wo Vincent aufgewachsen ist, besuchen:
Die Problemlagen in den Slums sind vielschichtig – so gibt es z.B. Hütten aus Wellblech, diese sind einigermassen stabil auch bei Regen, aber im Sommer wird es darin extrem heiss. Die Hütten aus Lehm/Erde sind zwar klimatisch angenehmer, aber während der Regenzeit schwemmt es diese Wände (stellenweise) „ab“. Während der Regenzeit werden auch die erdigen Wege zwischen den Hütten zu einer matschigen Rutschpartie, welche man nur mit Regenstiefel begehen kann. Das Wasser bewegt diesen Schlamm dann teilweise auch in die Hütten rein…… und da dieser Slum teilweise am Hang gebaut ist, gibt es auch Orte, wo es Erdrutsche gibt – oder zumindest die Gefahr dazu besteht.
Vincent und Laureen haben mir gesagt, dass sich die meisten Anwohner:innen ein Leben ausserhalb vom Slum wünschen. Doch ist dies gar nicht so einfach zu realisieren – begonnen bei der staatlichen Schulbildung, welche sich nicht alle leisten können für ihre Kinder. Deshalb gibt es in Kibera einige private Schul-Initiativen. Und wenn es um die Arbeits-Perspektiven ausserhalb von Kibera geht, ist es anscheinend so, dass Arbeitgeber:innen Personen, die aus Kibera kommen diskriminieren. Dies ist möglich, weil auf den Identitätskarten der Wohnort/das Wohnquartier der Leute notiert ist (die Zugehörigkeit zur Volksgruppe steht nicht mehr drauf – was evtl. auch zu Diskriminierung führen könnte, je nach politischen Bewegungen). Die älteren Geschwister von Vincent haben nur dank „Vitamin-B“ (Kontakten) Jobs ausserhalb von Kibera gefunden. Doch bei Vincent und Laureen hat das bis jetzt noch nicht geklappt. Vincent verdient noch etwas dazu in dem er an Märkten durch einen Freund seine Bilder verkaufen lässt. Sowieso sei „Kunst“ etwas Wichtiges in Kibera, was auch die vielen schönen Wandbemalungen zeigen:



Als wir am Ende der Tour zur Schule der Seed Foundation kamen, hatten wir Glück und konnten bei der Chor-Probe dabei sein. Denn nächste Woche werden die Schüler:innen an einem Chor-Wettbewerb teilnehmen. Laureen, hat für uns die zwei Lieder gefilmt, die wir anschauen konnten:

Wer die Möglichkeit hat die Seed Foundation zu unterstützen oder anderen Reisenden weiterzugeben, soll das gerne machen. Sie bieten auch Safari Ausflüge an und vermieten AirBnB Unterkünfte. Alles mit dem Ziel Einnahmen zu generieren für die Schulbildung von Kindern und Anwohner:innen von Kibera, wie Vincent und Laureen.

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