Der Grund warum ich nach Nairobi – und nicht in eine andere ostafrikanische Stadt – geflogen bin, ist eine Familie. Ich hatte sie kennengelernt, während meiner Arbeit als Rezeptionistin in einem Hotel in Saas-Fee. Sie sagten mir immer wieder, dass ich sie doch mal besuchen soll und wir behielten bis heute sporadisch Kontakt. Diese Familie gehört zu der Volksgruppe der „Indischen Kenianer:innen“. Neben den rund 42 bereits anerkannten Volksgruppen in Kenia, wurden sie 2017 offiziell als 44. Volksgruppe (tribe) in Kenia anerkannt. 2015 lebten rund 100’000 Personen mit indischer Abstammung in Kenia, mehrheitlich in Nairobi und Mombasa.
Ein bisschen Geschichte
Nachdem 1885 bei der Berlin Konferenz Afrika in verschiedene „Protektorate“ aufgeteilt wurde, gehörte Kenia zum Britischen Empire. Bald hatten die Briten die Idee, Uganda durch eine Eisenbahn mit dem indischen Ozean zu verbinden, die Uganda-Bahn von Kisumu nach Mombasa. Dazu liessen sie rund 30’000 Personen aus dem dazumal „British India“ als Arbeitskräfte einschiffen. Diese begannen 1895 mit dem Bauprojekt – das rund einem Drittel der Arbeitern das Leben kostete (aufgrund von Unfällen, Krankheiten, einem harschen Klima und Wildtieren – vor allem Löwen).
Und heutzutage
Was die Eisenbahn betrifft gibt es ein neues Projekt: Dieses Mal durch eine chinesische Bank (vor-)finanziert und von rund 25’000 Kenianer:innen gebaut: Mombasa–Nairobi Standard Gauge Railway
So wie ich verstehe, wäre es ursprünglich die Idee gewesen, die bestehende Eisenbahn Linie bis Uganda dadurch zu ersetzen, doch aufgrund von finanziellen Hürden wurde das Projekt noch nicht ganz beendet. 2017 wurde der erste Abschnitt zwischen Mombasa und Nairobi eröffnet.
Was die Indischen Kenianer:innen betrifft – einige von ihnen haben den Aufstieg geschafft und haben heute wichtige Positionen inne. Leider sei es so, dass sie sehr unter sich leben – sie haben ihre eigenen Schulen und leben etwas separiert in ihren Quartieren. Ein Artikel vom Deutschenfunk gibt diese Realität gut wider, hier ein Ausschnitt:
Inzwischen ist von diesem verbindenden Element des Kolonialismus aber nichts mehr zu spüren. Die Inder bleiben in Kenia unter sich. Als Politiker Shakeel Shabbir eine Kenianerin heiratete, bekam er viel Kritik zu hören. Seiner Meinung nach stehen die Inder im Umgang mit den Afrikanern inzwischen den früheren Kolonialherren in nicht viel nach.
„Wir sind hier die auserwählte Elite. Wir sind die Reichen, die Geschäftsleute und schauen auf unsere afrikanischen Mitbürger hinab, weil sie ärmer sind. Den einzigen Kontakt, den indische Kinder zu Afrikanern haben, ist der zu ihren Hausdienern. Darum behandeln sie alle Afrikaner so, wie ihre Eltern mit den Angestellten umgingen.“
Schlussendlich ist es so, dass ich meine indisch-kenianische Familie in Nairobi nicht besuchen konnte, weil sie auf Reisen sind. Ihre beiden Söhne studieren aktuell an Universitäten in England, wo auch einige ihrer Verwandten wohnen. Jedoch habe ich ihr den Kontakt von meinem Nairobi Guide weitergegeben und hoffe, dass sie vielleicht in Zukunft doch den Mut findet mehr mit den anderen 42 Volksgruppen in Kenia auf Augenhöhe in Kontakt zu treten.

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