Letzten Sommer war ich mit meinem Sohn für zwei Monate in Ostafrika und habe diesen Blog gestartet – mit «heute geht’s los». Die, welche den Blog regelmässig mitverfolgt hatten, haben wohl bemerkt, dass er mit dem Blog über Safari, den Trek am Kilimandscharo und dem verlängerten Weekend in Moshi etwas abrupt geendet hatte und fragten sich vielleicht warum. Dies möchte ich in diesem Beitrag verraten. Weiter habe ich gestern auf dem Hinflug bzw. auf dem Stopover in Addis Abeba wieder eine spannende Begegnung gemacht mit einer Tansanierin, die in Saudi Arabien arbeitet – auch darüber berichte ich. Und wer weiss, was uns in den nächsten drei Wochen in Tansania noch begegnen wird, welche wir Erfahrungen wir machen werden, die ich hier mit euch teile. Wenn ihr dranbleiben wollt, dann abonniert doch meinen Blog (ganz unten nach dem Beitrag).
Ein kleiner Hinweis: Falls du die Blogs noch nicht durchgeschaut hast und dies noch nachholen möchtest. Geh auf den ersten Blog – und wenn du da ganz runter scrollst, kannst du rechts dann auf den nächsten klicken etc.
Mehr als «ein Freund»
Ich habe gerade kurz selbst nachgelesen – im oben erwähnten letzten Blog vom Sommer habe ich davon berichtet, dass wir mit einer Freundin und einem Freund aus Tengeru ein Wochenende in Moshi verbracht haben. Doch ich hatte euch zu diesem Zeitpunkt nicht verraten, dass es mehr als ein Freund ist. Dieser Freund ist seither mein Partner – doch da diese Liebe dann noch ganz jung war, wollte ich nicht so öffentlich darüberschreiben. Wie am Ende vom Blog berichtet, sind wir dann auch noch zusammen nach Sansibar gereist. Und eigentlich wären mein Sohn und ich nach 10 Tagen Sansibar direkt zurück in die Schweiz geflogen. Doch um die Zeit mit meinem Partner noch zu verlängern, habe ich unseren Flug annulliert, bin mit meinem Partner nach Tengeru zurückgereist und dort hatten wir noch eine Woche mehr mit ihm, seinen Freunden und Familie genossen.
Zurück in der Schweiz hiess es für mich wieder mit der Arbeit zu beginnen und gleichzeitig nochmals Vollgas zu geben für das Crowdfunding, das noch lief – und mein Sohn startete mit dem Kindergarten. Wer es noch nicht weiss, wir haben das Crowdfunding geschafft! Herzlichen DANK nochmals allen, die mitgemacht haben! ❤ …doch nach einem erfolgreichen Crowdfunding, ist die Arbeit noch nicht fertig – sprich, ich hab mehrmals Tansanisch gekocht für Unterstützer:innen, hab Geschenke verschickt und Bestellungen für die Kitenge-Jacken aufgenommen und weitergeleitet. Diese werde ich übrigens hier in Tansania jetzt abholen, denn der Versand per Paket-Dienst ist extrem hoch. Falls jemand noch ein bestimmtes Souvenir möchte (analog zu den Crowdfunding Geschenken) – oder eine individualisierte Kitenge-Jacke. Meldet mir eure Wünsche sobald wie möglich!
Jedenfalls waren das die Gründe, die zum abrupten Blog-Abbruch führten. Wir hatten in Sansibar eine schöne Zeit – mit allem, was man so macht: Stonetown besuchen, schwimmen mit Schildkröten, laufen im weissen Sand, schwimmen im klaren Meer,… Für meine einheimischen Freund:innen war es teilsweise etwas befremdlich, dass sie als dunkelhäutige Personen am Strand in der Minderheit waren. Man hat mehr Italienisch, Englisch und Deutsch gehört als Suaheli. Plus war eine Situation besonders prägend – während ich mit meinem Sohn bereits im Meer am Baden war, wollten sie drei etwas später auch noch reinkommen. Doch der «Hotel-Securitas» hat ihnen verboten ins Meer reinzugehen, weil dieser Meer-Zugang nur den (mehrheitlich hellhäutigen) Hotelgästen vorbehalten sei. Mein Sohn und ich sind da als hellhäutige Personen nicht so aufgefallen… Nun genug aus der Vergangenheit – zurück in die Gegenwart.
Eine Tansanierin in Saudi-Arabien
Die Begegnung gestern auf unserem Stopover in Addis Abeba hat mich sehr an meine Begegnung mit dem Kasache aus Saudi-Arabien auf der letzten Hinreise erinnert. Wir sind mit Ethiopian Airlines gereist – und bei einem mehr als 8-stündigen Stopover in Addis Abeba bieten sie ihren Gäst:innen ein Hotelzimmer in Addis Abeba an, um diese Stunden etwas gemütlicher zu verbringen als am Flughafen. Dazu habe ich am Flughafen beim Kundendienst von Ethiopian Airlines einen Voucher abholen können und mit diesem konnte ich visa-frei mit einem organisierten Hotel-Shuttle-Bus direkt zum Hotel fahren. Im Hotel wurden wir dann informiert, dass das Frühstücksbuffet bereits bereitsteht – und nach dem Frühstück gab es auch ein grosszügiges Mittags-Buffet, das alles im Flug-Preis inbegriffen war. Wie grosszügig – nun ja, es war ein kleines Kompromiss für die Schlaf-Unterbrechungen im Flugzeug mit x-Mal essen und schrillen Duty-Free-Shopping Anzeigen um 3 Uhr morgens.








Jedenfalls hatte ich in diesem genannten Hotel-Shuttle eine junge Frau aus Tansania kennengelernt. Sie kommt aus der früheren Hauptstadt Daressalam. Das hat mich jedoch etwas überrascht, aufgrund ihrer Kleidung hätte ich eine andere Herkunft erwartet. Denn sie trug einen schwarzen Niqab. Ich sah also nur ihre Augen. Doch als ich merkte, dass sie sehr gut Englisch spricht, habe ich die Chance gepackt, um mich mit ihr zu unterhalten. So habe ich erfahren, dass sie auf dem Weg nach Hause ist. Denn seit einem Jahr arbeitet sie in Saudi Arabien als Ärztin für innere Medizin in einem staatlichen Spital. Nun hat sie zum ersten Mal Ferien und besucht während dieser Zeit ihre Tochter, die bei ihrer Mutter wohnt und ihren Mann.
Nach ihrem Studium hat sie zuerst in einem Privatspital in Daressalam gearbeitet. Schlussendlich hat sie sich entschlossen, dass sie nach Saudi Arabien arbeiten geht – und dies obwohl sie eine kleine Tochter hat (dazumal war diese 2-jährig). Ihr Mann kam versuchsweise auch nach Saudi-Arabien für zwei Monate. Doch er hielt den kulturellen Unterschied/ die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten nicht aus. Es sei zum Beispiel so, dass man selten bis nie Personen auf den Strassen antrifft. Denn anstatt zu spazieren, scheinen alle ihre teuren Autos zu brauchen. Wenn dann sind die Leute abends auf Spielplätzen anzutreffen. Wenn man Leute sieht, dann drinnen in einem Shoppingcenter, aber als soziale Person könne man sich schon sehr einsam fühlen. Auch die grüne Natur aus Tansania hätte ihr Mann vermisst – denn wir ihr wisst, ist es in Saudi-Arabien sehr trocken. Ein Grund dafür, dass viele Leute ihre Zeit lieber drinnen verbringen als draussen, ist sicher das Wetter. Denn die Sommer sind sehr heiss – doch sie erklärte mir, dass es in den Wintermonaten nachts sehr kalt sein kann – so um die 8 Grad. Das «Drinnenbleiben» hat auch Auswirkungen auf die Gesundheit von den Leuten. Als Ärztin hat sie diesbezüglich einen grossen Einblick und sie hat mir berichtet, dass Übergewicht sehr verbreitet ist. Besonders schockiert es sie, wenn sie 12-jährige vor sich hat, die bereits 80kg auf die Waage bringen.
Als Sozialarbeiterin habe ich natürlich nachgefragt, wie der Saudi-Arabische Staat mit Menschen in Armut umgeht. Doch sie meinte: «In Saudi-Arabien sind alle reich, alle haben ein teures Auto, das Benzin ist sehr günstig. Die Einheimischen scheinen etwas faul und arbeiten gar nicht, weil sie sehr einfach Geld vom Staat erhalten, zum Beispiel, wenn sie heiraten oder Kinder haben oder es gibt auch finanzielle Unterstützung für chronisch kranke Personen. Im Spital sind vor allem Mitarbeitende aus dem Ausland z.B. aus Ostafrika, den Philippinen und anderen ärmeren Ländern. Bildung und Gesundheitswesen sind für die Einheimischen gratis und es gibt auch keine Steuern oder Versicherungsprämien, die ich bezahlen muss. Als junge Ärztin verdiene ich in Saudi-Arabien rund 5x mehr als in Tansania.».
Beim Schreiben vom Blog habe ich jetzt kurz eine Recherche gemacht – und leider gibt es natürlich auch in Saudi-Arabien Armut. Sie wird einfach sehr gut versteckt vor den Augen der anderen Einwohner:innen und der Besucher:innen. In einem Bericht von The Guardian, der aus dem Jahr 2013 war, stand auch drin, dass drei Saudi-Arabische Videoblogger zwei Wochen ins Gefängnis kamen, weil sie 2011 einen Video-Blog über Armut in Saudi-Arabien gemacht hatten. Auf der Webseite von der Hilfsorganisation «The Borgen Project», welche sich weltweit anwaltschaftlich für Menschen in Armut einsetzt, lese ich, dass die Armutsquote in Saudi-Arabien zwischen 2010 und 2021 von 18,2 % auf 13,6 % gesunken ist. Sie erwähnen jedoch, wie auch der Bericht von The Guardian, dass besonders „Frauen-geführte Haushalte“ ein grosses Armutsrisiko inne haben.
Zurück zu meiner Bekanntschaft – was sie in Saudi-Arabien am meisten schätzt ist die Sicherheit. Da man bei vielen Verbrechen mit der Todesstrafe bestraft werde, getraue sich kaum jemand kriminell zu sein. Ich war etwas kritisch gegenüber diesem „oberflächlichen Sicherheitsgefühl“ und habe gerade nochmals einen Blick in den Bericht von Amnesty International geworfen. Die Zahlen sind schockierend und alarmierend:
„Die Zahl der Exekutionen in Saudi-Arabien hat bereits 2024 mit 345 Hinrichtungen einen traurigen Höhepunkt erreicht. (…)
Von Januar 2014 und bis Juni 2025 wurden 1.816 Menschen hingerichtet. Fast einem Drittel der Hingerichteten waren Drogendelikte zur Last gelegt worden. Von den 597 Personen, die während des untersuchten Zehnjahreszeitraums wegen Drogendelikten hingerichtet wurden, besaßen fast drei Viertel (75 Prozent) eine ausländische Staatsbürgerschaft.“
…und der Titel vom Bericht bestätigt eine Vermutung, die ich hatte über die juristischen Prozesse, welche zu diesen Hinrichtungen führen:
„If we had money and a laywer, maybe my brother would be alive. Saudi Arabia’s execution crisis“

Hinterlasse eine Antwort zu marylouunomad Antwort abbrechen